Rückkehr nach Altena ist heute für mich eine Reise in die Vergangenheit und macht mich eigentlich traurig, wenn ich den Leerstand in der alten Hauptgeschäftstraße, der Lennestrasse, sehe. Von den 32.000 Einwohnern aus meinem Abiturjahr 1973 sind noch 17.000 als Folge der industriellen Transformation übriggeblieben.
Mein Vater riet mir »Junge, wichtig ist morgens im Spiegel«, will heißen: du musst mit dir im Reinen sein und dir ins Gesicht gucken können. Das kann ich, ohne Probleme, deshalb ein Blick zurück, Erinnerungen als Dönekens, denn ich habe neben Stress vor allem viel Spass gehabt. Und: die Zukunft liegt vor uns! Auch wenn die Lebenskreditlaufzeit unbekannt ist.
Zeit ist ein Luxus heißt es. Deswegen will ich mir die Zeit nehmen, die ich jetzt habe und auf mein bisheriges Leben zurückblicken, um zu verstehen, wie ich zu dem wurde, der ich heute bin, wie ich aus dem Sauerland in die deutsch-französische Zusammenarbeit, in die europäische und internationale Kooperation, vom Jugendvertreter im Sportverein, vom Fachschaftsvorstand Romanistik an der Uni Bonn, dem Umweg über Maoismus und Sponti-Bewegung, dem französischen republikanischen Laizismus in der europäischen Zivilgesellschaft und schließlich bei der internationalen Sozialdemokratie gelandet bin.
Was prägt uns? Was hinterlässt Spuren? Wie kam es zu den Weichenstellungen? Hat Seneca Recht, wenn er sagt: »Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft«? Und ich habe bislang viel Glück im Leben gehabt: beruflich, privat, politisch. Wo war also die Vorbereitung, wo die Gelegenheit?
Wie konnte es so weit kommen? Es zeichnete sich im Sauerland nicht ab. Im Rückblick gab es aber für vieles, was ich bislang erleben und gestalten durfte, eine Weichenstellung in Kindheit und Jugend, in der Sturm- und Drangzeit. Und meine Schlussfolgerung lautet daher: manchmal ist der Umweg der kürzeste Weg!


