Das Buch von Conny Reuter

Der Umwegist die besteAbkürzung

Erlebte Geschichte eines kosmopolitischen Sauerländers

Erhältlich im Buchhandel und online
ISBN 978-3-6957-4070-3 · € 22,00 [D]

Buchcover „Der Umweg ist die beste Abkürzung“ von Conny Reuter: ein Globus vor Abendhimmel
Über das Buch

Wer hätte das gedacht?

Wie konnte es so weit kommen? Aufgewachsen in einer kleinen sauerländischen Industriestadt profitiert Conny Reuter von Willy Brandts sozialdemokratischem Aufstiegsversprechen: Abitur und Studium in Bonn, Köln und Toulouse; Engagement in Sportverein, Fachschaft Romanistik, im deutsch-französischen Jugendaustausch, der europäischen zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit und globalen Kooperation sozialdemokratischer Parteien.

Immer vom Einsatz für sozialen Fortschritt angetrieben, wird Conny Reuter zum Zeitzeugen, der seine grenzüberschreitende Arbeit durch die interkulturell-vergnügliche Brille schildert – Dönekens eben, wie es in seiner Heimat heißt.

Stationen

  1. 1954AltenaKindheit in der Drahtstadt
  2. 1973Bonn & KölnRomanistik, Fachschaft, Spontis
  3. 1990ParisBanlieue, Ligue und DFJW
  4. 2000BerlinDeutsch-Französisches Jugendwerk
  5. 2006BrüsselGeneralsekretär von Solidar
  6. 2020Santiago de ChileCorona, Progressive Alliance und die Liebe
Warum dieses Buch

Dönekens, die nicht unpolitisch sind

Was ich – nicht KI-generiert – 2025 aufgeschrieben habe, ist keine Biografie, schon gar kein politisches Vermächtnis. Ich wollte einfach die lustigen und bereichernden Erlebnisse und Momente teilen. Auch die sind nicht unpolitisch. Aus ihnen speisen sich meine Lebensfreude und meine politischen Überzeugungen.

Sie geben Antwort auf die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Ich kann mich, wie von meinem Vater gefordert, morgens im Spiegel ansehen, habe mich nicht verbiegen lassen und immer nach dem Prinzip verfahren: Mir ist lieber, für das abgelehnt zu werden, was ich sage, als für das geliebt zu werden, was ich nicht sage.

»L’avenir est un long passé«

Conny Reuter

Leseproben

Einmal reinlesen

Das Buch erzählt ein Leben zwischen Sauerland und Santiago und endet mit einem politischen Epilog. Hier finden Sie kleine Auszüge aus beiden Teilen.

Aus der Biographie

S. 11–12

Vorwort

Rückkehr nach Altena ist heute für mich eine Reise in die Vergangenheit …

Rückkehr nach Altena ist heute für mich eine Reise in die Vergangenheit und macht mich eigentlich traurig, wenn ich den Leerstand in der alten Hauptgeschäftstraße, der Lennestrasse, sehe. Von den 32.000 Einwohnern aus meinem Abiturjahr 1973 sind noch 17.000 als Folge der industriellen Transformation übriggeblieben.

Mein Vater riet mir »Junge, wichtig ist morgens im Spiegel«, will heißen: du musst mit dir im Reinen sein und dir ins Gesicht gucken können. Das kann ich, ohne Probleme, deshalb ein Blick zurück, Erinnerungen als Dönekens, denn ich habe neben Stress vor allem viel Spass gehabt. Und: die Zukunft liegt vor uns! Auch wenn die Lebenskreditlaufzeit unbekannt ist.

Zeit ist ein Luxus heißt es. Deswegen will ich mir die Zeit nehmen, die ich jetzt habe und auf mein bisheriges Leben zurückblicken, um zu verstehen, wie ich zu dem wurde, der ich heute bin, wie ich aus dem Sauerland in die deutsch-französische Zusammenarbeit, in die europäische und internationale Kooperation, vom Jugendvertreter im Sportverein, vom Fachschaftsvorstand Romanistik an der Uni Bonn, dem Umweg über Maoismus und Sponti-Bewegung, dem französischen republikanischen Laizismus in der europäischen Zivilgesellschaft und schließlich bei der internationalen Sozialdemokratie gelandet bin.

Was prägt uns? Was hinterlässt Spuren? Wie kam es zu den Weichenstellungen? Hat Seneca Recht, wenn er sagt: »Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft«? Und ich habe bislang viel Glück im Leben gehabt: beruflich, privat, politisch. Wo war also die Vorbereitung, wo die Gelegenheit?

Wie konnte es so weit kommen? Es zeichnete sich im Sauerland nicht ab. Im Rückblick gab es aber für vieles, was ich bislang erleben und gestalten durfte, eine Weichenstellung in Kindheit und Jugend, in der Sturm- und Drangzeit. Und meine Schlussfolgerung lautet daher: manchmal ist der Umweg der kürzeste Weg!

S. 22–24

Das Alleinstellungsmerkmal: mein Vorname

Als meine Eltern bei meiner Geburt überraschend feststellten, dass ich kein Mädchen war …

Da meine Mutter 1947 einen Protestanten geheiratet hatte, wurde sie exkommuniziert, aber die katholische Kirche bestand darauf, dass die Kinder katholisch getauft und erzogen würden. Als meine Eltern bei meiner Geburt im städtischen Krankenhaus überraschend feststellten, dass ich kein Mädchen war, für das sie eigentlich den Vornamen Hedwig vorgesehen hatten, stellte sich die Frage »Was nun?«

Mein Vater erinnerte sich an seinen Kriegskameraden und Funkerkollegen Konrad, mit dem er aus dem Stalingrader Kessel heraus- und der sowjetischen Kriegsgefangenschaft entkam. Diesen Konrad nannten alle nur Conny. Im Krieg war mein Vater Funker. Sein Credo lautete »nie in der ersten Reihe, besser in der Etappe überleben, wo man nicht kämpfen muss«.

[…]

Mit der Entscheidung für den Vornamen Conny war der Konflikt mit der katholischen Kirche vorprogrammiert, die mich nur auf einen Namen eines Heiligen aus ihrem Taufregister taufen wollte. Mit sauerländischer Hartnäckigkeit wurde das gelöst: mein Vater war FDP-Anhänger, kein Wirtschaftsliberaler, und vor allem kein Freund von Konrad Adenauer. Deshalb kam Konrad nicht in Frage! Also eine politische Entscheidung!

[…]

1982 musste ich mich einer Mandeloperation im Krankenhaus Troisdorf/Sieg bei Bonn unterziehen. Sonntagsabends meldete ich mich an der Aufnahme und die Mitarbeiterin am Empfang schaute mich erstaunt an: »Conny Reuter? Ich glaube wir haben da ein Problem.« »Wieso?« entgegnete ich. »Wir haben für sie ein Bett auf der Frauenstation«. »Kein Problem für mich« meinte ich mit einem verschmitzten Lächeln. Es war dann doch ein Vierbettzimmer auf der Männerstation.

Wenn mich in der heutigen Zeit der m/f/d ein Schreiben, ob per Mail oder per Post, erreicht, das an Frau Conny Reuter adressiert ist, weise ich in der jeweiligen Antwort gerne darauf hin, dass ich seit der Geburt männlichen Geschlechts bin. Nicht jeder kann über den Hinweis, dass das -y wie bei den Chromosomen den Unterschied macht, lachen.

Als Arbeitgeber habe ich mir erlaubt, diejenigen Bewerbungen auszusortieren, die an Frau Conny Reuter gerichtet waren. Wer sich in Internetzeiten nicht mal der Mühe unterzog, im Netz zu schauen, wer der Generalsekretär und Chef von SOLIDAR war, brauchte nicht mit meiner Berücksichtigung seiner Bewerbung zu rechnen.

Aus dem Epilog

S. 361

Epilog

In den letzten 50 Jahren konnte ich viele berufliche und politische Erfahrungen sammeln …

In den letzten 50 Jahren konnte ich viele berufliche und politische Erfahrungen sammeln und es eröffneten sich spannende Innenansichten. Ich hatte das Glück, dass sich immer wieder neue Möglichkeiten ergaben, die neue Herausforderungen und Chancen boten.

Im Rückblick habe ich, was die berufliche Karriere anbelangt, an allen Wendepunkten die richtigen Entscheidungen getroffen, mich auf meinen Instinkt verlassen. Nun bin ich in der Phase zu lernen und zu akzeptieren, nicht mehr beruflich aktiv zu sein, mein Leben anders zu strukturieren, was ja nicht bedeutet, kein politischer Mensch mehr im Sinne des griechischen zoon politicon zu sein.

Vielleicht gilt ja das Zitat Victor Hugos »Les plus belles années d’une vie sont celles que l’on n’a pas encore vécues« – die schönsten Lebensjahre sind die, die man noch nicht gelebt hat. Wer weiß? Hoffentlich!

S. 375–378

Wahrheit und Gerechtigkeit

Wir kennen nun die Wahrheit, aber gibt es auch Gerechtigkeit?

Im Sommer 2024 hatten Marcela und ich einen Tipp bekommen, wo es in Berlin die besten Empanadas gibt. Die Überraschung war doppelt: die chilenischen Empanadas exzellent und der kleine Imbiss, der sie produziert und verkauft, liegt in Hohenschönhausen, in der ehemaligen verbotenen Stadt, neben dem ehemaligen Stasi-Gefängnis.

Nach dem Erwerb der Empanadas schlossen wir uns einer Führung durch das Stasi-Gefängnis an, mit Michael Bradler, einem ehemaligen Gefangenen, der eindringlich die brutalen Methoden und Schikanen seiner Aufseher und Befrager schilderte. Marcela, für die ich seine Kommentare übersetzte, meinte ständig »wie bei uns« zu Zeiten der Diktatur.

Sie stellte ihm die Frage: wir kennen nun die Wahrheit, aber gibt es auch Gerechtigkeit? Seine Antwort: nein! Die ehemaligen Seilschaften haben sich in der neuen Bundesrepublik schnell zurechtgefunden und ihre Netzwerke existieren noch heute. Nur wenige sind, seiner Meinung nach, für ihre kriminellen Handlungen zur Rechenschaft gezogen worden.

[…]

Die Wahrheit gibt es, sie ist trotz Verdrehungen und ›fake news‹ bekannt, aber gibt es Gerechtigkeit? Und dieses diffuse Gefühl für Ungerechtigkeit war und ist meine Antriebsfeder, mich in meinem Leben politisch, nicht nur parteipolitisch, zu engagieren.

[…]

Ohne Solidarität keine Gerechtigkeit und ohne Gerechtigkeit keine solidarischen Gesellschaften. Also »Liberté, Égalité et Solidarité«!

Ohne ein radikales Neudenken des contrat social Rousseaus, ohne ein neues anspruchsvolles gesellschaftliches Projekt werden wir den Kampf um Emanzipation und gesellschaftlichen Fortschritt verlieren – weltweit.

»Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.« (Willy Brandt)

Lesungen & Buchvorstellungen

Termine

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Conny Reuter im BVB-Pullover an einer Steilküste am Meer
Der Autor

Conny Reuter

Conny Reuter wurde 1954 in Altena/Westfalen im Sauerland geboren. Die Drahtstadt und ihre Metallindustrie prägten seine Jugend. Früh wurde er Fan von Borussia Dortmund.

Auf das Abitur 1973 folgte das Romanistikstudium in Bonn und in Köln. Nach hochschulpolitischen Eskapaden engagierte er sich im deutsch-französischen Jugendaustausch bei der Ligue Française de l’Enseignement und ihren deutschen Partnern AWO und IB. 1990 siedelte er mit seiner Familie in den Großraum Paris. 1998 wechselte er zum Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW/OFAJ), wurde 2000 Referatsleiter in Berlin.

Von 2006 bis 2019 engagierte er sich als Generalsekretär der europäischen NGO Solidar in Brüssel für das soziale Europa und die internationale Zusammenarbeit, vertrat als Netzwerker relevante europäische NGO-Dachverbände. Von 2020 bis 2023 war er globaler Koordinator der Progressive Alliance, des anderen globalen Netzwerks sozialdemokratischer und progressiver Parteien.

Nach dem Ende der beruflichen Tätigkeit lebt er mit seiner chilenischen Frau in Santiago de Chile und in Berlin, in der Nähe seiner Kinder und Enkel.

Im Buchhandel und online erhältlich

„Der Umweg ist die beste Abkürzung“ können Sie in jeder Buchhandlung bestellen oder bei Ihrem Online-Händler kaufen. Am einfachsten geht es mit der ISBN.

ISBN
978-3-6957-4070-3
Preis
€ 22,00 [D] | € 22,70 [A]
Verlag
BoD – Books on Demand, 2026